Entets(ch)wil - ein Weiler mit unterschiedlichen Schreibweisen

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Ortstafel Entetswil.JPG Ortstafel Entetschwil.JPG
Ortstafel Entetswil beim Weilereingang Seite Gemeinde Bischofszell, Kanton Thurgau Ortstafel Entetschwil beim Weilereingang Seite Gemeinde Niederhelfenschwil, Kanton St. Gallen



Entets(ch)wil - ein Weiler mit unterschiedlichen Schreibweisen

  • Der Weiler Entets(ch)wil liegt teilweise auf Thurgauer (Gemeinde Bischofszell) und teilweise auf St. Galler Kantonsgebiet (Gemeinde Niederhelfenschwil).
    • offizielle Schreibweise Teil Gemeinde Bischofszell, Kanton Thurgau: Entetswil
    • offizielle Schreibweise Teil Gemeinde Niederhelfenschwil, Kanton St. Gallen: Entetschwil

TLM Entetswil Entetschwil.jpg

Karte swiss TLM


Bischofszell Entetswil.jpg Niederhelfenschwil Entetschwil.jpg
Entetswil Gemeinde Bischofszell, Kt. TG auf Thurgis Entetschwil Gemeine Niederhelfenschwil, Kt. SG auf dem Geoportal


Search.ch Entetswil Entetschwil.jpg
Auf der Karte in search.ch ist neben der Schreibweise der offiziellen Namen Entetswil und Entetschwil oben auf dem Kartenausschnitt auch eine Alternativschreibweise (?) Enetschwil zu finden. Anmerkung: beide Beschriftungen Entetswil und Entetschwil sollten in der Karte etwas nach oben verschoben werden, damit sie mit der effektiven Örtlichkeit übereinstimmen.


Vgl. auch Artikel Tagblatt Ostschweiz vom 11. Juli 2013 «Die Grenze teilt sogar die Küche»


Bemühungen um Vereinheitlichung der Schreibweise gescheitert

Der Stadtrat Bischofszell hat gemäss Artikel vom 16. Juli 2014 der Thurgauer Zeitung im Februar 2014 nach einen die zuständigen Stellen im Thurgau und in St. Gallen ersucht, die Angelegenheit zu prüfen und eine Vereinheitlichung anzuordnen. Eine Überprüfung der Situation führte zum Ergebnis, dass sich eine Anpassung der Schreibweise nicht aufdrängt. Für beide Varianten gebe es Quellen und historische Grundlagen. In beiden Kantonen hat die jeweils zuständige Nomenklaturkommission die Schreibweise formell festgelegt.


Historie

Dufourkarte Entetswyl.jpg 1850 - 1904 Entetswyl Dufourkarte
Siegfriedkarte Entetswil.jpg 1880 - 1954 Entetswil Siegfriedkarte
LK Entetschwil.jpg 1955 - 1995 Entetschwil Landeskarte
LK Äntetschwil.jpg 1996 - 2001 Äntetschwil Landeskarte
LK Äntetschwiil.jpg 2002 - 2015 Äntetschwiil Landeskarte


Gebäudeadressen

Entetswil Teil Gemeinde Bischofszell, Kanton Thurgau Entetschwil Teil Gemeinde Niederhelfenschwil, Kanton St. Gallen
Beispiel Entetswilerstrasse 17, 9223 Schweizersholz Beispiel Entetschwil 21, 9223 Schweizersholz


Kommentar

Mit der Etablierung der neuen Landeskarte (in den Kantonen Thurgau und St. Gallen) ca. 1955 wurde die Schreibweise der Lokalnamen erneuert. Gemäss Weisungen 1948 geschieht die Notierung von Lokalnamen von geringer und lokaler Bedeutung grundsätzlich in mundartlicher Form, aber in einer dem gewohnten, standarddeutsch basierten Schriftbild entgegenkommenden Schreibung. Ob prinzipiell Siedlungsnamen in mundartlicher Form geschrieben werden sollten und wenn ja welche, herrschten dazumal unterschiedliche Ansichten. Oskar Bandle (1926-2009), Mitautor des Thurgauer Namenbuches, ging 1952 davon aus, dass im Kanton Thurgau die Schreibweise von Siedlungsnamen nicht geändert werden.


Situation Kanton Thurgau

Der damalige Kantonsgeometer des Kantons Thurgau Robert Voegeli (1911-1997) war überzeugt, dass für die neue Landeskarte das Namenmaterial in den bestehenden Kartenwerken genüge und weigerte sich, die Schreibweise der Lokalnamen im Kanton Thurgau zu ändern (was die Siedlungsnamen anbelangt, gibt ihm die Geschichte nach 60 Jahren Recht vgl. hier). Das Staatsarchiv des Kantons Thurgaus hatte dann die Nomenklatur für die neu Landeskarte aufbereitet, eine Nomenklaturkommission wurde damals nicht eingesetzt (Quelle Geschichte des Thurgauer Namenbuches). Im Kanton Thurgau sind dann nicht nur Flurnamen, sondern auch in Mundartschreibweise geänderte Siedlungsnamen in die Landeskarte eingeflossen z.B.:

  • aus Rotbühl wurde Rotbüel
  • aus Entetswil wurde Entetschwil

Der Eingriff in die Nomenklatur war damals jedoch weniger stark als der Eingriff ab 1990 und die unterschiedlichen Schreibweisen störten nicht allzu fest.

Meist sind die herkömmlichen Schreibungen auf Ortstafeln, Strassenwegweisern und Strassennamenschildern geblieben, während auf Wanderwegweiser die mundartlichen Schreibweisen der Landeskarte verwendet wurden. So ist erklärbar, dass die lokale Bevölkerung von Entetswil Teil Gemeinde Bischofszell (Kt. TG) an der herkömmlichen Schreibweise festhielt, auch als die damalige Nomenklaturkommission des Kantons Thurgaus für Lokalnamen extrem mundartlich wirkende Schreibweisen festgesetzt hatte, welche seither auf den Landeskarten wie folgt publiziert wurden:

  • 1996-2001 Äntetschwil
  • 2002-2015 Äntetschwiil

2011 hatte dann die inzwischen erneuerte Nomenklaturkommission in enger Zusammenarbeit mit den Gemeinden die damals in der Siegfriedkarte verwendete Schreibweise Entetswil als offizielle Schreibweise festgesetzt.


Situation Kanton St. Gallen Es ist anzunehmen, dass nach 1955 bei einer Erneuerung der Ortstafel bei der Einfahrt des Weiler aus Seite St. Gallen nicht die herkömmliche, sondern die von der Nomenklaturkommission des Kt. St. Gallen festgesetzte neue Schreibweise Entetschwil der Landeskarte und verwendet wurde.


Das Beispiel Entets(ch)wil unterstreicht die von Ruedi Schwarzenbach geäusserte Feststellung, dass Siedlungsnamen ein grosses Beharrungsvermögen aufweisen.


Siehe auch


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