Schreibweise Strassennamen: Unterschied zwischen den Versionen

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Aktuelle Version vom 21. Juli 2016, 21:55 Uhr

Geografische Namen Lokalnamen Gebäudeadressen Inhaltsverzeichnis+Übersicht Aktuell
Gebäudeadressen.jpg


Allgemeines


Strassennamen sind wichtige geografische Orientierungshilfen, welche als geografische Namen seit 1.7.2008 mit der eidgenössischen Verordnung über geografische Namen geregelt sind. Sie werden zur Bildung von Gebäudeadressen verwendet, sind auf Karten und in unzähligen EDV-Anwendungen abgelegt (Telefonbuch, Navigationssysteme, Internet-Stadtpläne, Einsatzleitsysteme, Einwohnerinnen- und Einwohnerregister, Grundeigentümerregister, etc.). Passen die Schreibweisen nicht zusammen, führt dies zu Problemen. Die Benutzerin eines Navigationssystems hat Schwierigkeiten, eine Strasse zu finden, wenn das System die auf der Landkarte oder im Telefonbuch aufgeführte Schreibweise nicht kennt. Auch im Hinblick auf das Funktionieren der registerbasierten Volkszählung 2010 sind die Strassennamen zwischen Einwohnerregister sowie Gebäude- und Wohnungsregister abzugleichen.


Grundsätze zur Schreibweise von Strassennamen

  • Alle Strassen in bewohnten Siedlungen müssen in der Schweiz benannt werden. In den meisten Kantonen liegt die Zuständigkeit für die Vergabe von Strassennamen und die korrekte Schreibweise bei den Gemeinden.
  • Strassennamen sollen wie alle übrigen geografischen Namen im amtlichen Verkehr sowie in allen amtlichen Informationsträgern einheitlich verwendet werden (vgl. Art. 1 Verordnung über geografische Namen).
  • Für Behörden sind die amtlichen Schreibweisen der amtlichen Vermessung massgebend (vgl. Art. 25 der Verordnung über geografische Namen). Auch für Bürger, Medien usw. wird empfohlen, die amtliche Schreibweise zu verwenden. Es besteht ein Druck auf die zuständigen Stellen, allgemein gültige Schreibregeln für die amtliche Schreibweise von Strassennamen anzuwenden. So hat die Stadt Winterthur im Dezember 2008 die Schreibweisen der Strassennamen im Bezug auf Zusammen- und Getrenntschreibung / Gross- und Kleinschreibung / Schreibung mit Bindestrichen vereinheitlicht (Details vgl. hier).
  • Die Schreibweise von Strassennamen soll nur geändert werden, wenn ein öffentliches Interesse nachgewiesen werden kann (vgl. Art. 4 Abs. 3 Verordnung über geografische Namen). Bei der Vereinheitlichung der Schreibweise in Bezug auf Zusammen- und Getrenntschreibung / Gross- und Kleinschreibung / Schreibung mit Bindestrichen darf grundsätzlich aus oben genannten Gründen von einem öffentlichen Interesse ausgegangen werden. Bei Änderung der amtlichen Rechtschreibung ändert die Strassenbezeichnung nicht automatisch. Die «Stengelstrasse» wird nicht automatisch zur «Stängelstrasse» mit Einführung des neuen Dudens.


Schreibregeln für Strassennamen

Allgemeines

Schreibregeln richten sich an die für die Vergabe und Festlegung der Schreibweise von Strassennamen zuständigen Stellen.


Für die Zusammen- und Getrenntschreibung, Gross- und Kleinschreibung, Schreibung mit Bindestrichen empfiehlt der Bund, die Regeln nach jeweils aktuellster Ausgabe des Dudens zu befolgen und die schweizerischen Eigenheiten beizubehalten. Solche Eigenheiten können im Duden berücksichtigt werden:


Gebäudeadressen.jpg

Die Eidgenössische Vermessungsdirektion hat

Empfehlung für die Gebäudeadressierung und Schreibweise von Strassennamen herausgegeben,

welche auf der Empfehlung des Kantons Zürich basieren:



Zusammenstellung von Schreibregeln für Strassennamen

Untenstehende Zusammenstellung enthält alle aktuellen Dudenregeln (24. Auflage) sowie weitergehende Regeln für die Schreibweise von Strassennamen.

Quellen:


Regel Beispiele Quellen
Grossschreibung
Das erste Wort eines Strassennamens wird gross geschrieben.
  • Alte Neuburgstrasse
  • Am Eulachpark
  • Im Sporrer
  • In der Katzensteig
  • Obere Kirchgasse
  • Zum Park
  • Duden Allgemein
  • swisstopo 3.3.1
  • Winterthur
Kleinschreibung
Besteht der Strassenname aus mehreren Wörtern, so werden das erste Wort und die Substantive gross, die andern Wörter gewöhnlich klein geschrieben.

Diese Regel lehnt sich an die amtliche Schreibung der schweizerischen Bundeskanzlei an (Regel 4.32) als eine der wenigen Abweichungen der amtlichen Regelung der deutschen Rechtschreibung. Die Grossschreibung der Adjektie hat in der Schweiz eine geringe Verbreitung.

  • Im oberen Boden
  • Im oberen Gern
  • Haus im roten Gatter
  • Im unteren Baumgarten
  • Im alten Ried
  • Zur frohen Aussicht (auch «Zur Frohen Aussicht»)
  • Ausnahme: stehende Begriffe wie «Im Eisernen Zeit»
  • Duden CH (angemeldet)
  • Bundeskanzlei
  • swisstopo 3.3.2 (muss angepasst werden)
  • Winterthur 6
Zusammenschreibung
Zusammengesetzte Strassennamen schreibt man zusammen.
  • Moserstrasse
  • Oberdorfstrasse (aber Obere Dorfstrasse)
  • Ursulaweg
  • Annagasse
  • Graussteig
  • Utoquai
  • Sulzerallee
  • Bahnhofplatz
  • Duden Allgemein
  • swisstopo 3.2.1
  • Winterthur 1
Strassennamen, die die Ableitung eines geografischen Namens auf «-er» enthalten, werden zusammen geschrieben.
  • Winterthurerstrasse (nicht Winterthurer Strasse)
  • Engadinerweg (nicht Engadiner Weg)
  • Hottingerplatz (nicht Hottinger Platz)
  • St. Gallerstrasse (aber St.-Gallen-Strasse)'
  • Duden CH
  • swisstopo 3.2.1
  • Winterthur 5
Getrenntschreibung
Getrennt schreiben bei gebeugtem Adjektiv.
  • Äusserer Rettenbachweg
  • Innerer Rettenbachweg
  • Obere Dorfstrasse (aber Oberdorfstrasse)
  • Unterer Graben
  • swisstopo 3.2.2
  • Winterthur 2
Bindestriche
Strassennamen, die mit mehrteiligem Namen zusammengesetzt sind, schreibt man mit Bindestrichen.
  • Heinrich-Bosshard-Strasse
  • J.-C.-Heer-Strasse
  • Hedy-Hahnloser-Strasse
  • St.-Georgen-Platz
  • St.-Georgen-Strasse
  • Alexander-Moser-Strasse (aber Moserstrasse)
  • Duden Allgemein
  • swisstopo 3.2.3
  • Winterthur 4
Umlaute von A, O, U am Anfang von Strassennamen
Umlaute von A, O, U am Anfang von Strassennamen werden in den meisten Gemeinden als Ae, Oe, Ue geschrieben.

Pro Gemeinde einheitlich, innerhalb immer ä, ö, ü.

  • Aegertenstrasse (anstelle von «Ärgertenstrasse»)
  • Uetlibergstrasse (anstelle von «Üetlibergstrasse» oder «Ueetlibergstrasse»)
  • swisstopo 3.4
Abkürzungen
Strassennamen werden grundsätzlich voll ausgeschrieben

Falls sich ausnahmsweise infolge Platzmangels Abkürzungen nicht vermeiden lassen, so richten sich diese nach den Regeln des Dudens und nicht nach den Abkürzungen in veralteter Schreibweise auf den Strassentafeln

  • C.-F.-Meyer-Strasse (für «Conrad-Ferdinand-Meyer-Strasse»)
  • Otto-C.-Bänninger-Weg (für «Otto-Charles-Bänninger-Weg»)


  • Alte Neuburgstr. (nicht «Alte Neuburg-Str.»)
  • swisstopo 3.1.4
  • Winterthur 7


Näheres zu Umlauten von A, O, U am Anfang von Strassennamen

  • Heutige Praxis: Während heute alle Umlaute von A, O, U am Anfang der Namen von Gemeinden, postalischen Ortschaften und Stationen in der Schweiz als Ae, Oe, Ue geschrieben werden, besteht bei der offiziellen Schreibweise von Strassennamen in der Schweiz in diesem Punkt keine Einheitlichkeit. Umlaute von A, O, U am Anfang von Strassennamen werden in den meisten Gemeinden als Ae, Oe, Ue geschrieben, während in einzelnen Gemeinden der Schweiz für die Umlaute am Anfang von Strassennamen einheitlich die Schreibweise Ä, Ö, Ü verwendet wird. Auch diese Schreibweise ist korrekt vgl. Empfehlungen Gebäudeadressierung und Schreibweise von Strassennamen Kapitel 3.4.
  • Es ist wichtig, zwischen der Schreibweise Ae, Oe, Ue resp. Ä, Ö, Ü bewusst zu unterscheiden und exakt die jeweilige amtliche Schreibversion zu verwenden, wie dies auch in der amtlichen Vermessung (welche die behördenverbindliche Schreibweise enthält) sowie im GWR handhabt wird. Ae, Oe, Ue resp. Ä, Ö, Ü sind nicht einfach zwei unterschiedliche Repräsentationsarten, sondern sind fester Bestandteil des Strassennamens.
  • Hintergrund: In der Schweiz wurden schon vor der Einführung der Schreibmaschine um ca. 1880 als Schreibtradition die Umlaute von A, O, U am Anfang von geografischen Namen auf Karten und Plänen häufig als Ae, Oe, Ue geschrieben. Der Umstand, dass früher auf der Schweizer Schreibmaschinentastatur wegen dem integrierten Sonderzeichen der französischen Sprache kein Platz für Tasten Ä, Ö, Ü vorhanden war, ist folglich nicht Ursache dieser Schreibtradition, dürfte jedoch diese Schreibtradition gefördert haben. Bei der Etablierung für die Schreibweise von Strassennamen im Jahre 2005 wurde versucht, die Schreibweise von Ä, Ö, Ü als Standard zu empfehlen, da sie der korrekten Duden Schreibweise entspricht. Es zeigte sich jedoch, dass dies politisch nicht zu rechtfertigen ist, da eine gesamtschweizerische Umstellung zu aufwändig und keinem Verhältnis zum Nutzen gewesen wäre. Ein solcher Standard hätte insbesondere wegen der vorwiegenden Schreibweise von Ae, Ue, Oe nicht verantwortet werden können. Da man umgekehrt auch bestehende (eigentlich korrekte) Schreibweisen mit Ä, Ö, Ü nicht ändern wollte, wurde auf eine einheitliche Empfehlung verzichtet. Empfohlen wurde lediglich, eine einheitliche Verwendung der Schreibart innerhalb einer Gemeinde, wegen einer einheitlichen Sortierung in kommunalen Strassenverzeichnissen. Hingegen wurde im Jahr 2010 in der Empfehlungen zur Schreibweise von Gemeinde- und Ortschaftsnamen, Richtlinien zur Schreibweise von Stationsnamen Kapitel 3.2.4 auch für neue Namen empfohlen, die Umlaute A, O und U am Anfang von neuen Namen als Ae, Oe und Ue zu schreiben.


Grundsätze für die Schreibung von neuen Strassennamen

Allgemeines


Namengebung

  • Bei der Vergabe von neuen Strassennamen kann neben anderen Möglichkeiten (z.B. Personennamen in städtischen Gebieten) auf das Namengut der Lokalnamen zurückgegriffen werden.
  • Es ist nahe liegend, für die aus Lokalnamen abgeleiteten Strassennamen die Originalschreibweise zu übernehmen (z.B. «Hüsligs»). Gesamtschweizerisch gesehen wirkt jedoch Mundart-Schreibweise von Strassennamen zum Teil störend, wenn ansonsten die Schreibweise in Schriftsprache verbreitet ist. Wichtig ist, dass Post, übergeordnete Verwaltungsstufen usw. die offizielle Schreibweise der Strassennamen übernehmen.
  • Präpositionen «Auf», «Im», «Am» usw. können beim Suchen in Strassenverzeichnissen Probleme verursachen; es empfiehlt sich, diese allenfalls wegzulassen, insbesondere, wenn diese nicht in entsprechenden Orts- und Lokalamen enthalten sind.

weitere Details zur Bennennung von Strassen vgl. hier


Schreibweise in Standardsprache

  • Mundart soll vermieden werden, falls Schriftsprache klar und gebräuchlich ist und wo im mündlichen Sprachgebrauch eine offensichtliche Verwechslung mit der Schriftsprache besteht (z.B. «Schneckenberg» anstelle «Schnäggäberg»).
  • Mundartnamen können in die schriftsprachliche Form gebracht werden, wenn ihre Orthografie für die Strasse als ungeeignet erachtet wird und die einzelnen Bestandteile des Flurnamens erkennbar sind (z.B. «Mühlefluhstrasse» anstelle «Miliflüö»). Eine Diskrepanz mit der lokalen Schreibweise des Flurnamens wird bewusst in Kauf genommen (gilt auch für benannte Gebiete). In Zweifelsfällen soll Schriftsprache verwendet werden.
  • Auf keinen Fall sollen aber die Namen verhochdeutscht werden (z.B. «Im Hölzli» zu «Im Hölzchen»).


Schreibweise in Mundart

  • Mundartproblematik bei Strassennamen vgl. Zusammenspiel Schreibweise von Strassennamen und Lokalnamen
  • Sind extremmundartlich geschriebene Strassennamen lebensgefährlich?
  • Strassennamen in Mundart-Schreibweise sind allgemein schlecht verständlich, besonders auch für Personen aus anderen Landesteilen und für Fremdsprachige; Mundartschreibweise ist deshalb grundsätzlich nicht zu empfehlen.
  • Einzelne, Alteingebürgerte Mundartformen können ohne weiteres beibehalten werden, sie tragen zur Vielfalt der Strassennamen bei (z.B. «Büel», «Zytglogge»)
  • Bei zusammengesetzten Strassennamen sollen keine Mischformen aus Schriftsprache und Mundart verwendet werden (z.B. «Chilebüel» oder «Kirchbühl» jedoch nicht «Chilebühl»).
  • Auch bei Mundartschreibung soll immer -strasse resp. -weg geschrieben werden oder nach Möglichkeit auf die Grundwörter wie Strasse, Weg, Gasse usw. verzichtet werden.


Siehe auch


Weblinks


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