Geschichte der Gebäudeadressierung

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Geschichte der Gebäudeadressierung

Schweiz

  • Bereits vor unserer Zeitrechnung wurden Siedlungen mit einem Ortsnamen als ältestes Element der Gebäudeadresse benannt. Älteste Siedlungen wurden durch indogermanische Völker (Kelten, Venetier, Italiker, Germanen usw.) benannt. Spätere Ortsnamen stammen von den Alemannen und Franken (Details vgl. historische Schichten in schweizerischen Ortsnamen).
  • 294 erste Nennung von Winterthur
  • Ab 1500 wurden auch Strassen als zweit ältestes Element der Gebäudeadresse bezeichnet. In den Städten entstanden Gassen (benannt z.B. nach Handwerkern oder Bevölkerungsgruppen).
  • Bereits im Mittelalter wurde gewisse Gebäude mit einem Hausnamen gekennzeichnet (Vorläufer der Hausnummer und z.T. auch benanntes Gebiet)
  • Ab dem 17. Jahrhundert lässt sich in den Grundprotokollen für Wädenswil belegen, wie dort lokalisiert wurde. Man nannte ein allen bekanntes Gebäude (Kirche, Wirtshaus, Schützenhaus, Kanzlei, Landvogteischloss) und gab an, in welcher Richtung das zu bezeichnende andere Haus stand: unter der Krone, hinter dem Schützenhaus, bei der Kanzlei, vor dem Schloss, ob dem Engel. Dazu kamen Bezeichnungen wie: am See, bei der Haabe, an der Hintere Lände usw.
  • Ab ca. 1800 wurden vermehrt Strassen gebaut
  • 1812 wurden in Zürcher Gemeinden Assekuranznummern (Gebäudeversicherungsnummern) eingeführt, die ebenfalls der besseren Kennzeichnung dienten.
  • Ab ca. 1850 wurden zuerst in den Städten und dann auch in den Landgemeinden Hausnummern eingeführt (Hausnummern im Sinne von Polizeinummern) Beispiele:
    • Ab 1865 Stadt Zürich
    • Ab 1894 Wädenswil (Kt. ZH)
  • 1928 Ortsnamenbuch Schweiz ca. 85'000 Orts/Lokalnamen der Schweiz als Adressen für Ermittlung der Zustelltarife Post/Telegramm. Als Ortsnamen erscheinen auch Gebäudegruppen und Einzelgebäude. Die Namen sind vielfach nach Flur- und Hofnamen benannt.
  • 1937 Instruktion für die Erstellung neuer Landeskarten: «Ortsnamen, welche ohne weiteres in der Schriftsprache, als die allgemein gültige Verkehrssprache übertragen werden können und an Ort und Stelle in dieser Schreibweise gebraucht werden, bekannt und verständlich sind, sind in der Schriftsprache wiederzugeben. Ortsnamen, welche dagegen nur im landläufigen Dialekt existieren und nur in dieser Form bekannt und verständlich sind, müssen in Dialektform geschrieben werden». Diese Instruktion deckte auch die Anforderungen an die Schreibweise von Lokalnamen für Gebäudeadressen ab.
  • 1938 Gründung «Bund Schwyzertütsch» (Dr. Adolf Guggenbühl und Prof. Dr. Eugen Dieth)
  • Weisungen 1948: Nach dem 2. Weltkrieg wurde zur Wahrung der schweiz. Identität aus gewissen Kreisen gefordert, möglichst alle Ortsnamen in möglichst lautnaher Form zu schreiben. Ein heftiger Streit konnte mit dem Kompromissvorschlag der Weisungen 1948 beendet werden. Die Lösung bestand darin, dass alle Namen mit geringer und lokaler Bedeutung mundartlich geschrieben wurden.
  • 1948-1970 In der Praxis wurden in der Deutschsprachigen Schweiz zu viele bedeutende Namen in Mundart geändert und die mundartliche Schreibweise lehnte sich teilweise zuwenig an die Standardsprache an. Die Folge war, dass diverse, in Mundart veränderte Namen wegen dem vertrauten Schriftbild keine allgemeine Akzeptanz mehr fanden und für die Gebäudeadressierung nicht die offizielle Schreibweise, sondern die herkömmliche Schreibweise für die Gebäudeadressierung verwendet wurde. Diese Doppelspurigkeit war mit der Etablierung der Weisungen 1948 nicht vorgesehen, war aber zum Teil die Folge einer unsachgemässen Anwendung der Weisungen 1948. Nomenklaturkommissionen waren zu fest der Namenforschung behaftet anstelle auf die praktischen Bedürfnisse ausgerichtet (vgl. Pfannenstiel oder Pfannenstil).
  • 1964 wurde die Postleitzahl als jüngstes Element mit der Landesausstellung in Lausanne eingeführt.
  • 2004 Mit der SN Norm Gebäudeadressierung wurde die Ortschaft im technischen Sinne definiert. Ebenso wurde das so genannte benannte Gebiet im Sinne einer Strassenbezeichnung als eigenständiges Element eingeführt, das sich meist aus Orts- und Flurnamen ableitet.
  • Ab ca. 2000 Vervollständigung der Gebäudeadressierung auf dünn besiedelte Gebieten, Beispiele:
    • AG
      • Gemeinde Dürrenäsch (2008)
    • BE
      • Gemeinde Niederried (2008)
      • Gemeinde Saanen (2008)
      • Gemeinde Sigriswil (2006)
    • GR
      • Gemeinde Davos (2005)
    • LU
      • Gemeinde Sins (2007)
    • SG
      • Gemeinde Mels (2008)
      • Gemeinde Oberriet (2007)
    • SH
      • Gemeinde Opfershofen (2006)
    • TG
      • Gemeinde Hefenhofen (2007)
    • ZH
      • Gemeinde Bäretswil (2007)
      • Gemeinde Kyburg (2005)
      • Gemeinde Schlatt (2007)
  • 2008 Inkraftretung der Geoinformationsgesetzgebung. Die Verordnung über die geografischen Namen (GeoNV) verlangt als Grundsatz, dass die Schreibweise von geografischen Namen höchstens dann geändert werden dürfen, wenn ein öffentliches Interesse vorliegt.
  • 2011 Die Regeln für die Schreibweise von Lokalnamen Weisungen 1948 wurden durch identische Schreibregeln Weisungen 2011 ersetzt. Es ist dadurch davon auszugehen, dass die Schreibweise von Lokalnamen und die Schreibweise von Strassenbezeichnungen (insbesondere benannte Gebiete) nicht weiter auseinanderklaffen. Es geht grundsäzlich um die Bezeichnung von Örtlichkeiten, welche unabhängig davon sind, ob es sich um die Bezeichnung für eine Flur, einen Hof, eine Gebäudeadresse oder eine Station handelt.


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