Wellenberg oder Welebärg

Aus GISpunkt HSR
Wechseln zu: Navigation, Suche
Geografische Namen Lokalnamen Gebäudeadressen Inhaltsverzeichnis+Übersicht Aktuell
Schloss Wellenberg Homepage.jpg

Welebärg 2 TG.jpg

Uf wele Berg gömmer morn.jpg

Schloss Wellenberg/Schloss Welebärg und weitere Schlösser im Kanton Thurgau vgl. auch hier


vgl. auch swisstopo Zeitreise


Schreibweise von Lokalnamen in amtlichen Plänen und Karten

Im Kanton Thurgau wurde die herkömmliche Schreibweise Wellenberg in die mundartnahe, für amtliche Pläne und Karten höchst ungewohnte Schreibweise Welebärg geändert (vgl. hier). In anderen Kantonen wie BE, NW, OW und ZH hat man die herkömmliche Schreibweise als Wellenberg belassen (vgl. hier).


Normalisierung

Geht man davon aus, dass bei der mundartlichen Schreibweise von Wellenberg folgende Schreibvarianten bestehen

  • Schreibung der beiden ersten Vokale grundsätzlich als -e oder ; -berg als -berg, -bärg oder -bäärg
    • (4 mal 3 Varianten = 12 Varianten)
  • Schreibung oder weglassen des -n bei en
    • (die Hälfte von 12 Varianten = zusätzliche 6 Varianten)
  • Schreibung von einem oder zwei -l
    • (Verdoppelung obiger 12+6 Variaten = 36 Varianten)

ergeben sind aus der Kombination obiger Varianten theoretisch insgesamt die folgenden 36 Schreibvarianten:

  1. Welenberg
  2. Welenbärg
  3. Weleberg
  4. Welebärg (Schreibweise gemäss Mundart in Ortsnamen.ch Gde. Felben-Wellhausen und Hombrechtikon)
  5. Weläberg
  6. Weläbärg
  7. Wälenberg
  8. Wälenbärg
  9. Wäleberg
  10. Wälebärg
  11. Wäläberg
  12. Wäläbärg
  13. Wellenberg
  14. Wellenbärg
  15. Welleberg (Schreibweise gemäss Mundart in Ortsnamen.ch Gde. Rheinau)
  16. Wellebärg
  17. Welläberg
  18. Welläbärg
  19. Wällenberg
  20. Wällenbärg
  21. Wälleberg
  22. Wällebärg
  23. Wälläberg
  24. Wälläbärg
  25. Welenbäärg
  26. Welebäärg
  27. Weläbäärg
  28. Wälenbäärg
  29. Wälebäärg
  30. Wäläbäärg
  31. Wellenbäärg
  32. Wellebäärg
  33. Welläbäärg
  34. Wällenbäärg
  35. Wällebäärg (Schreibweise gemäss Mundart in Ortsnamen.ch Gde. Buchs)
  36. Wälläbäärg


Wellenberg als die herkömmliche Schreibweise entspricht allen Grundsätzen Art. 4 Verordnung über geografische Namen (GeoNV) und ist die einzige Variante, welche in Mundart automatisch richtig ausgesprochen wird:

Art. 4 Grundsätze GeoNV

  1. Geografische Namen sind einfach schreib- und lesbar und werden allgemein akzeptiert.
  2. Sie werden, soweit möglich und sinnvoll, in Anlehnung an die Standardsprache (Schriftsprache) der Sprachregion formuliert.
  3. Geografische Namen und ihre Schreibweise dürfen nur aus öffentlichem Interesse geändert werden.


In der Schweizerischen Ortsnamedatenbank «ortsnamen.ch» werden folgende 3 Namensfelder unterschieden:

Name: Schreibweise als Index für das Suchen (Lemma), entspricht in vielen Fällen der amtlichen Schreibweise
Mundart: lautnahe Schreibweise analog phonetischer Schreibweise, jedoch ohne diakritische Sonderzeichen
Phonetik: lautgetreue, phonetische Schreibweise mit diakritischen Sonderzeichen (vgl. Beispiele unten)


Bei den mundartlichen Namen des Kantons Thurgaus wie Welebärg fällt in der Ortsnamendatenbank auf, dass die Schreibweise des Namens meist identisch ist mit der Schreibweise Mundart und nicht wie in den meisten anderen Kantonen (gemäss Weisungen 1948 resp. Weisungen 2011) normalisiert ist. Weitere Details vgl. hier.


Erkenntnisse von Eduard Imhof

Zitate von Eduard Imhof: aus Ortsnamen in amtlichen Plänen und Karten (1945)

  • Schreibweisen von geografischen Namen in Bezug auf den Gebrauch und in Bezug auf die Kartierung auf amtlichen Karten und Plänen:
    • Die Schreibformen der Ortsnamen haben sich vielfach ausserhalb der Karte und unabhängig von dieser entwickelt. Dieser «auswärtige» Bereich ist unvergleichlich weitschichtiger. Tausende von Ortsbezeichnungen sind in Hunderttausenden von geschriebenen und gedruckten Texten, Aufschriften, in Verwaltungs-, Gerichts- und Grundbuchakten, in militärischen und technischen Dokumenten, in Firmen-, Gasthof- und Strassenbezeichnungen, in Namen- und Adressverzeichnissen, in der Literatur und in gesetzlichen Erlassen verankert.
  • Sprachrealität der Namen (mundartliche und schriftsprachliche Sprachrealität)
    • Zahllose Örtlichkeiten besitzen zwei verschiedene, allgemeingebräuchliche Bezeichnungen, eine mundartliche und eine schriftsprachliche. Beide sind «sprachliche Wirklichkeit».
  • Problematik der Schreibweise von Mundartschreibung
    • Überdies ist die Mundart überhaupt eigentlich nicht schreibbar, da sich das Leben nicht in zwei Dutzend tote Buchstaben fassen lässt.
    • Im geschlossenen Zusammenhang mundartlicher Rede versteht jeder Deutschschweizer den Sinn der folgenden Ausdrücke: Für (oder Fir), Bom, Bu, Su, Sagg, Brigg, Stogg, Grot, Ror, Höli, Drägg, Bone, Sagi, tüf (oder teuf oder täif), Chüetel usw. Treten sie aber, so wie es der Karte der Fall wäre, in isoliert stehenden Wörtern und Wortverbindungen auf, so muten sie eher chinesisch an.
    • Der Sprachforscher darf in solchen Fragen nicht nur auf seine eigene Erfahrung bauen. Die amtlichen Pläne und Karten haben nicht nur ihm, sondern vor allem der Allgemeinheit zu dienen. Und überdies möchte sich auch ein Welschschweizer und ein Tessiner in den Karten der deutschen Schweiz einigermassen zurechtfinden können. Eine gewisse allgemein gültige, allgemein vertraute Normierung ist unentbehrlich; diese aber besitzen wir in der Schriftsprache.


Weisungen 1948

Die Weisungen 1948 resp. Weisungen 2011 ermöglichen die erforderliche Normalisierung einer lautgetreuen Mundart in eine kartengerechte, gemässigte Schreibweise von Lokalnamen. Als Kompromisslösung gewähren sie der Mundart mehr Raum als Eduard Imhof damals propagierte. Gemäss Weisungen 1948 wird Wellenberg mit -berg und nicht als -bärg geschrieben, ebenso wird das -n geschrieben und nicht weggelassen. Weisungen 1948 würden zulassen, Welenberg mit einem einzigen -l zu schreiben, wie man das anfänglich im Kanton Zürich und zuletzt auch im Kanton Nidwalden vorgeschlagen hat. In beiden Kantonen wurde jedoch erkannt, dass ein Welenberg nur mit einem einzigen -l eine ungewohnte Schreibweise ist, und dass man die eingebürgerte Schreibweise beibehalten muss.

Bei den Weisungen 1948 resp. Weisungen 2011 handelt es sich nicht um Schreibregeln für eine gewöhnliche Mundartschreibung, sondern um eine normalisierte, kartengerechte Schreibung von Lokalnamen. Im Kanton Thurgau wurden die Weisungen 1948 anscheinend als gewöhnliche Mundartschreibweise verstanden, welche nicht mehr dem heutigen Stand der Mundartschreibweise entsprechen. Daher wurden in diesem Kanton die Schreibweise von Tausenden von Lokalnamen gemäss neuen, von Weisungen 1948 abweichenden Schreibregeln geändert. Diese neuen Schreibregeln wurden weitgehend in den Entwurf der Toponymischen Richtlinien 2005 integriert.

Vgl. Thurgauer Namenbuch 3.1 Seite 9: Für den Kanton Thurgau wurde vom Thurgauer Namenbuch eine Schreibweise definiert, die auf den eidgenössischen Vorschriften basiert, in der Anwendung aber konsequent ist und dem heutigen Standard der Mundartschreibweise entsprich. Der Entwurf zu den Toponymischen Richtlinien der Schweiz 2005 hat diese Schreibweise weitgehend integriert.


Die Benutzer (inkl. Gemeinde- und Städteverbande) hatten den Entwurf zu den Toponymischen Richtlinien als Ersatz für die Weisungen 1948 als neue Schreibregeln für die ganze deutschsprachige Schweiz abgelehnt, ebenso den Entwurf Leitfaden Toponymie und hatten sich auch in der Vernehmlassung zum eidg. Geoinformationsgesetz (GeoIG) für die Beibehaltung der Weisungen 1948 ausgesprochen.


Die Benutzer von Lokalnamen als Geoinformation konnten bewirken, dass die Regeln für die Schreibweise von Lokalnamen Weisungen 1948 nicht in Regeln für lautnahe Mundartschreibung verändert wurden, sondern als Weisungen 2011 erhalten geblieben sind.


Vgl. auch:


Geht ein bedeutendes Kulturgut verloren?

  • Der Wert eines Kulturgutes, sei es der Name der Örtlichkeit oder der Name des Schlosses, ist unabhängig von der Schreibweise Wellenberg oder Welebärg vgl. hier.
  • Welebärg ist keine historische Schreibweise im Gegensatz zu Wellenberg vgl. hier.
  • Historisch wichtige Lokalnamen sollen nach Weisungen 1948 resp. Weisungen 2011 in der herkömmlichen Schreibweise belassen werden.
  • Eine herkömmliche, vertraute Schreibweise dient dazu, Kulturgüter in Akten und Archiven ausfindig zu machen.
  • Lächerlich wirkende Schreibweisen (da ungewohnte Schreibweisen) von Lokalnamen schaden einem bedeutenden Kulturgut


Beispiel Schreibweise von Wellenberg

Welebärg im Kanton TG

Welebärg TG.jpg

Welebärg Kt. Thurgau, Gemeinde Felben-Wellhausen

Datensatz Nr. 6001502 in Ortsnamen.ch

Name: Welebärg
Mundart: Welebärg
Phonetik: Welebärg TG Phonetik.jpg

Wellenberg in anderen Kantonen

Kanton Bern

Wellenberg BE.jpg

Wellenberg Kt. Bern, Gemeinde Brienz


Wellenberg BE Oberwil.jpg

Wellenberg Kt. Bern, Gemeinde Oberwil im Simmental


Kanton Nidwalden

Wellenberg NW.jpg

Wellenberg Kt. Nidwalden, Gemeinde Wolfenschiessen


Kanton Obwalden

Wellenberg OW.jpg

Wellenberg Kt. Obwalden, Gemeinde Gibswil


Kanton Zürich

Wellenberg ZH.jpg

Wellenberg Kt. Zürich, Gemeinde Hombrechtikon

Datensatz Nr. 7026693 in Ortsnamen.ch

Name: Welenberg > Wellenberg
Mundart: De Welebärg
Phonetik: Wellenberg ZH Phonetik.jpg


Siehe auch


Geografische Namen Lokalnamen Gebäudeadressen Inhaltsverzeichnis+Übersicht Aktuell