Mundart in Lokalnamen

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Üeretaaler Bärg.jpg

Üerental und Üüretaaler Bärg im Kanton Thurgau. (Landeskarte auf geo.admin.ch)


Auf dieser Seite wird die heutige Verbreitung der Mundart in Lokalnamen analysiert und es wird aufgezeigt, wie die Mundart in der deutschsprachigen Schweiz Eingang in Lokalnamen fand. Für eine detaillierte Betrachtung sei auf das Kapitel Standardsprache und Dialekt verwiesen.

Es sei hier vermerkt, dass zahlreiche Vertreter der Interessen der Geoinformation Mundartliebhaber sind und dass nichts gegen die berechtigten Anliegen der Mundart einzuwenden ist. Eine grosse Zurückhaltung besteht lediglich in der übertriebenen Schreibung der Mundart in Lokalnamen als Geoinformation in amtlichen Karten und Plänen.


Verbreitung der Mundart in Lokalnamen in anderen Sprachgebieten:

Die Kontroversen über die Mundart in Lokalnamen betrifft hauptsächlich die deutschsprachige Schweiz. Die Kontroverse betrifft dabei weniger die moderate Mundartschreibweisen, wie sie sich in der Schweiz gemäss Weisungen 1948 resp. Weisungen 2011 eingebürgert hat, sondern vor allem der Wechsel auf eine lautnahe, extreme Mundartschreibweise wie dies im Kanton Thurgau, Schaffhausen aber auch im Kanton Wallis geschehen ist. Es zeigt sich heute die Tendenz, dass moderate Schreibweisen mit schriftsprachlich ausgerichteten Schriftbild beibehalten werden resp. in Extremfällen wie z.B. bei den Thurgauer Siedlungsnamen Rückänderungen bei erst kürzlich geänderten und noch nicht eingebürgerten Schreibweisen erfolgen. (vgl. Rückänderungen von Lokalnamen).


Verbreitung mundartlicher Formen in Lokalnamen

Allgemeine Statistik

Anhand der SwissNames kann folgende Statistik aufgestellt werden (Stand Juli 2008):

Beschreibung Anzahl
Überwiegend standardsprachliche Form verbreitet <25%
Beide Formen verbreitet 25-75%
Überwiegend mundartliche Form verbreitet >75%


Standardsprache Anzahl Mundartlich Anzahl %Mundart Kommentar
Berg 5045 Bärg 275 5% immer Berg gemäss Weisungen 1948 resp. Weisungen 2011 vgl. Statistik über Bärg
Bühl 29 Büel 1520 98% Büel gemäss Weisungen 1948 resp. Weisungen 2011
Hausen 76 Husen 78 51% .
Hinter 973 Hinder 510 34% Hinter gemäss Weisungen 1948 zugelassen
Horn 1261 Hore 210 14% Horn gemäss Weisungen 1948 resp. Weisungen 2011
Klein 80 Chli 1007 93% Chli gemäss Weisungen 1948 resp. Weisungen 2011
Kohl 7 Chol 390 98% Chol gemäss Weisungen 1948 resp. Weisungen 2011
Kopf 42 Chopf 311 88% Chopf gemäss Weisungen 1948 resp. Weisungen 2011
Kreuz 27 Chrütz 11 29% .
Leh 180 Lee 184 51% Lee gemäss Weisungen 1948 resp. Weisungen 2011
Letten 15 Lätten 69 82% Lätten gemäss Weisungen 1948 resp. Weisungen 2011
Loh 79 Loo 232 75% Loo Weisungen 1948 resp. Weisungen 2011
Lücke 123 Lugge 10 8% .
Moos 1439 Mos 273 16% Moos gemäss Weisungen 1948 resp. Weisungen 2011
Nieder 81 Nider 231 74% .
Ried 942 Riet 539 36% beide Formen verbreitet, Anzahl Riedt 6
Rohr 127 Ror 94 43% Ror oder Rohr gemäss Weisungen 1948 resp. Weisungen 2011
Unter 1472 Under 910 38% Unter gemäss Weisungen 1948 resp. Weisungen 2011 zugelassen
Weiher 163 Weier 696 81% Weier gemäss Weisungen 1948 resp. Weisungen 2011
Wies 47 Wis 1276 96% Wis gemäss Weisungen 1948 resp. Weisungen 2011


Statistik Mundartanteil in Lokalnamen sowie Gebäudeadressen

  • Lokalnamen: Quelle Swissnames
  • Gebäudeadressen: Quelle Directories


Die in der Grafik angegebenen Prozentzahlen geben etwa die Verbreitung der Mundartversion der Namen an.

  • Grüne Balken gelten für Lokalnamen
  • Rote Balken gelten für Gebäudeadressen


Mundartanteil..jpg


Statistik über Bärg

  • Von 275 Namen mit Bärg betreffen allein 208 Namen den Kanton Thurgau.
  • Die veränderten Namen im Kanton Schaffhausen erscheinen (noch) nicht in der Landeskarte. Daher finden sich auf der Landeskarte keine Bärg im Kanton Schaffhausen.
  • Der Einzige "Bärg" im Kanton Zürich Feenisbärg wird nur in der Landeskarte so geschrieben, in der amtliche Vermessung heissest er Feenisberg.

Statistik über Bärg in der Landeskarte

KT Anzahl Bärg
TG 208
VS 43
GR 18
BE 2
SG 2
TI 1
ZH 1
Total 275


Analyse der Schreibweise der Lokalnamen in der Schweiz

Die Mundart spielt bei Lokalnamen in der deutschsprachigen Schweiz eine wichtige Rolle. Bezüglich der Frage, wann Lokalnamen mundartlich zu schreiben sind (Quantität) und wie weit die Schreibweise an die Mundart angenähert werden soll (Qualität) wurde vor 1948, aber auch in jüngster Zeit heftig gestritten. 1948 einigte man sich mit Weisungen 1948 auf folgende 3 Grundsätze (Kompromiss Weisungen 1948 zwischen Benutzern und Namenforschung):

  • Namen mit grosser Bedeutung: Namen mit grosser (mehr als nur lokaler) Bedeutung werden in der herkömmlichen Schreibweise aus der Siegfriedkarte in die neue Landeskarte unverändert übernommen, d.h. die Namen werden weiterhin gemäss Schreibtradition geschrieben, die sich vorwiegend an die Standardsprache anlehnt.
  • Namen mit geringer, lokaler Bedeutung: vgl. auch Lokalnamen von lokaler Bedeutung
    • Allgemein vertraute Namen mit lokaler Bedeutung: Allgemein vertraute Namen mit lokaler Bedeutung werden wie die Namen mit grosser Bedeutung in der standardsprachlichen Ausrichtung belassen (Beispiele Berg (nicht Bärg), Feld (nicht Fäld), Weg (nicht Wäg), Grat (nicht Grot)
    • Übrige Namen mit lokaler Bedeutung: Alle übrigen Namen sollen den heutigen lokalen Mundarten angenähert werden, wobei jedoch auch hier extreme Formen durch allgemeiner verständliche Mundartformen zu ersetzen sind.


Obige 3 Fälle werden untenstehend detaillierter betrachtet und mit der heutigen Situation der Schreibweise von Lokalnamen verglichen.


Namen mit grosser Bedeutung

Namen mit grosser (mehr als nur lokaler) Bedeutung werden in der herkömmlichen Schreibweise aus der Siegfriedkarte in die neue Landeskarte unverändert übernommen, d.h. die Namen werden weiterhin gemäss Schreibtradition geschrieben, die sich vorwiegend an die Standardsprache anlehnt. In den Weisungen 1948 resp. Weisungen 2011 ist nicht definiert, was grosse Bedeutung heisst. Es lag resp. liegt an den kantonalen Nomenklaturkommissionen zu entscheiden, was grosse Bedeutung heisst. Bei ungünstigen Einschätzungen mussten Namen wegen mangelnder Akzeptanz rückmutiert werden.


Beispiel Gemeinde Wolfenschiessen, Kt. NW

  • Bannalp, Wellenberg und Altzellen haben grosse Bedeutung

Wolfenschiessen LK100000.jpg

Kommentar vgl. hier



Allgemein vertraute Namen mit lokaler Bedeutung

Lokalnamen von lokaler Bedeutung vgl. hier

Allgemein vertraute Namen mit lokaler Bedeutung werden wie die Namen mit grosser Bedeutung in der standardsprachlichen Ausrichtung belassen. Die Weisungen 1948 resp. Weisungen 2011 zählen für solche Namen folgende Beispiele auf:

  • Berg (nicht Bärg)
  • Feld (nicht Fäld)
  • Weg (nicht Wäg)
  • Grat (nicht Grot)

Die Statistik über Berg zeigt dass bei Berg dieser Grundsatz recht gut eingehalten wurde, abgesehen vom Kanton Thurgau, welcher sich nicht an diese Regel hielt (auch im Kanton Schaffhausen hält man sich nicht an diese Regel, die veränderten Schreibweisen sind jedoch auf der Landeskarte nicht sichtbar). Leider wird in den Weisungen 1948 resp. Weisungen 2011 nicht weitere Beispiele aufgeführt, so dass es den kantonalen Nomenklaturkommissionen überlassen ist zu entscheiden, welche Namen als allgemein vertraute, häufig vorkommende Namenwörter gelten. Zum Teil wurde das Wort Beispiel übersehen und man begnügte sich auf die aufgeführten Beispiele als abschliessende Liste. In dieser Kategorie hatte Eduard Imhof 1948 in Mein Standpunkt in der Ortsnamenfrage neben Berg (95% der Namen tragen die standardsprachliche Version) weitere Beispiele aufgezählt:

  • Lücke (92%)
  • Horn (86%)
  • Moos (84%)
  • Kreuz (71%)
  • Hinter (66%)
  • Unter (62%)
  • Rohr (57%)


folgende Namen, welche Imhof vorgeschlagen hat immer standardsprachig zu schreiben, wurden sogar zu Mundartfavoriten:

  • Nider (74%) (anstelle Vorschlag Imhof immer Nieder)
  • Chopf (88%) (anstelle Vorschlag Imhof immer Kopf)
  • Chli (93%) (anstelle Vorschlag Imhof immer Klein)


Nider hat in der Gebäudeadressierung nur eine kleine Verbreitung (10%). Obwohl man auch 1948 davon ausging, dass die Schreibweisen von Lokalnamen auch für Strassenbezeichnung finden, hatten gewisse Schreibweisen zu wenig allgemeine Akzeptanz für Strassennamen, resp. bestehende, an die bisherige Schreibweise von Lokalnamen ausgerichtete Strassennamen wollte man nicht ändern.


Beispiel Nieder / Nider

  • Verbreitung Nider
    • in Lokalnamen: 74%
    • in Gebäudeadressen: 10%
  • Nach 1948 wurde in Birr Kt. AG der Lokalnamen Niedermatt in Nidermatt geändert.
  • Die Schreibweise Nidermatt findet sich auch im Strassennamen Nidermattstrasse und dem Schulzentrum Nidermatt

Schulzentrum Nidermatt.jpg Schulzentrum Nidermatt in Birr Kt. AG


Die Lehrerschaft, welche die Schüler in Deutsch unterrichten muss, stört sich an diesem Namen und schreibt Niedermatt. Hätte man damals auf Eduard Imhof gehorcht, welcher für seine ästhetisch hervorragenden Karten weltbekannt ist, hätte heute die Lehrerschaft in Birr keine Probleme mit der Schreibweise des Namens. Imhof konnte jedoch ein viel schlimmeres Unheil mit extremmundartlich geschriebenen Lokalnamen verhindern. Die Schreibweise Nidermatt muss belassen werden, man müsste sonst unzählige weitere Namen verändern.

In Birr wird grundsätzlich offiziell ein einheitlicher Name verwendet. Schwieriger ist es in der Stadt Winterthur, wo ein Niederfeld nach 1948 in Niderfeld geändert wurde, der Strassennamen heisst heute jedoch Niederfeldstrasse und die Diskrepanz zwischen beiden Schreibweisen gibt immer wieder zu Diskussionen Anlass, insbesondere ob nun eine neue Haltstelle "Niderfeld" oder "Niederfeld" zu schreiben ist (wahrscheinlich wird man letztere Version wählen).


Beispiel Rohr / Ror

  • Verbreitung Ror
    • in Lokalnamen: 43%
    • in Gebäudeadressen: 24%
  • In Einzelfällen, z.B. wenn die Schreibweise von Lokalnamen auf der Landeskarte und in der amtlichen Vermessung nicht übereinstimmen, besteht die Möglichkeit, die Namen in Richtung besserer Akzeptanz zu harmonisieren wie hier im Beispiel Rohr > Ror > Rohr in der Gemeinde Fischenthal:
Rohr in der Siegfriedkarte ca. 1880 - 1955 Ror in der Landekarte ca. 1955 - heute Rohr im heutigen Übersichtsplan
Rohr Siegriedkarte 1930.jpg Ror Landeskarte 1955.jpg Rohr Übersichtsplan.jpg

Bemerkungen: Da Ror als Gebäudeadresse keine allgemeine Akzeptanz findet (liegt ein Druckfehler vor?) ist nachvollziehbar, dass der von Rohr auf Ror geänderte Lokalnamen wieder auf Rohr rückmutiert wurde. Da die Landeskarte künftig die Namen der amtlichen Vermessung verwendet, wird künftig auch Rohr in der Landeskarte geschrieben.


Beispiel Kopf / Chopf

  • Verbreitung Chopf
    • in Lokalnamen: 88%
    • in Gebäudeadressen: 61%
  • Beispiel Kopf / Chopf Gemeinde Adliswil, Rüschlikon
Kopfholzstrasse.jpg Chopfholz LK.jpg
  • Kopfholstrasse
  • Schulhaus Kopfholz
  • Haltestelle Kopfholz

Lokalnamen

  • Chopfholz
  • Chopfweid
  • Chopf


Übrige Namen mit lokaler Bedeutung

Alle übrigen Namen sollen den heutigen lokalen Mundarten angenähert werden, wobei jedoch auch hier extreme Formen durch allgemeiner verständliche Mundartformen zu ersetzen sind. Man schreibe also

  • Laui (nicht Loui oder Lauwi oder Läui)
  • Hüsli (nicht Hisli)
  • Chrüzli (nicht Chrizli)
  • Brüggli (nicht Briggli)
  • Hörnli (nicht Hernli oder Herndli)
  • Bödeli (nicht Bedeli)
  • Bäumli (nicht Böumli oder Bömli oder Baimli)
  • Rüti (nicht Riti)
  • Rüfi (nicht Rifi)
  • Schür (nicht Schir)
  • Plangge (nicht Plannga oder Blangge)


Bei der mundartlichen Schreibweise von Ortsnamen ist Rückhaltung erforderlich. Namen stossen allgemein nur auf allgemeine Akzeptanz, wenn sie sich an das vertraute Schriftbild der Standardsprache anlehnen. Dies gilt auch für mundartlich geschriebene Namen. Vgl. Zitat Trudi Christen, begeisterte Leserin von Mundartliteratur,aus Artikel «Äuä» Seite 11 in Rückblick und Ausblick – Die Bubenberg-Gesellschaft 1999, 2000:Unser Wunsch wäre Dialekt geschrieben in Anlehnung an das Schriftbild der hochdeutschen Schriftsprache. Ein leserfreundlicher Druck! Den Lesern und dem Dialekt zuliebe!


Anhand der unterschiedlichen Schreibweisen von Lokalnamen entlang der Kantonsgrenze Zürich und Thurgau wird veranschaulicht, was Eduard Imhof damals meinte mit «extreme Formen durch allgemeine verständliche Mundartformen ersetzen». Es wird der Unterschied erkennbar zwischen mundartnahen (Kt. ZH, gemäss Weisungen 1948 resp. Weisungen 2011 ) und mudartgetreuen Schreibweise (Kt. TG, entgegen Weisungen 1948 resp. Weisungen 2011 ).


Hochwacht ZH.jpg

Beispiele der Schreibweise von Lokalnamen entlang Kantonsgrenze Zürich und Thurgau


Schlussfolgerungen

Die Analyse über die mundartlichen Schreibweisen in für Lokalnamen in der deutschsprachigen Schweiz ergibt folgendes Bild:


Mundart in Lokalnamen

  • Beide Formen der Ausrichtung an die Mundart und an die Standardsprache existieren nebeneinander. Bei der mundartlichen Version existieren verbreitete Formen wie z.B. Büel.
  • Man muss sich damit abfinden, dass es in der Vergangenheit leider nicht gelungen ist, eine einheitliche Anwendung der Mundart zu erreichen und dies auch in der Zukunft kaum möglich sein wird.
  • In der neuen Geoinformationsverordnung gilt der Grundsatz, dass Lokalnamen soweit möglich und sinnvoll, in Anlehnung an die Standardsprache (Schriftsprache) der Sprachregion formuliert werden. Diese Forderung besteht vor allem für neue Namen oder bei Bereinigung von Unstimmigkeiten bei bestehenden Namen, da generell gilt, dass geografische Namen nur bei einem öffentlichen Interesse geändert werden sollen.
  • Details zu den neuen rechtlichen Grundlagen vgl. hier.


Mundart in Gebäudeadressen

  • Auch in Gebäudeadressen existieren mundartliche Formen, da Strassennamen vielfach aus Lokalnamen abgeleitet sind. Bei den Strassennamen ist die Verbreitung der mundartlichen Formen weniger stark als bei Orts- und Flurnamen. Die Diskrepanz zwischen unterschiedlichen Schreibweisen von Lokalnamen gibt immer wieder Anlass zu Diskussionen.
  • Es besteht allgemein von Gemeinden der Wunsch, für Strassennamen die identische Schreibweise für Lokalnamen zu verwenden. Je mehr sich die die Schreibweise der Namen von Lokalnamen vom Schriftbild der Standardsprache entfernen, desto mehr Diskrepanzen müssen in Kauf genommen werden. Besonders störend ist dies bei benannten Gebieten, wo Gemeinden für Strassenbezeichnungen den Orts- und Flurnamen ohne -strasse, -weg usw. möglichst ohne Änderungen als Strassenbezeichnung übernehmen möchten Details vgl. hier


Allgemeine Akzeptanz

  • Die Vorschläge von Imhof als Vertreter der Kartenbenutzer wurden in den Weisungen 1948 wie auch in der späteren Umsetzung auf Kosten der Anforderungen der Benutzer verwässert. Dieser Preis musste in der damaligen Zeit bezahlt werden für die Etablierung Weisungen 1948 als Kompromisslösung zwischen pragmatischen Schreibweisen für Kartenbenutzer und extremmundartlichen Schreibweisen für die Namenforschung. Dieser Umstand zeigt auch auf, warum sich die heutigen Kartenbenutzer und Benutzer von Geoinformationen gegen mehr Mundart in Weisungen 1948 resp. Weisungen 2011 wehren.
  • Die Schreibweisen gemäss Weisungen 1948 resp. Weisungen 2011 stossen vielfach auf allgemeine Akzeptanz und sind zur Schreibtradition geworden. Wo wegen oben beschriebener Hintergrund keine genügende Akzeptanz vorhanden ist (wie z.B. Nidermatt oder Niderfeld) sollten die Benutzer der Namen (inkl. auch Schüler) über die Hintergründe aufgeklärt werden und es soll bei bestehenden, seit mehreren Jahrzehnten eingebürgerten Namen auf eine Änderung zu verzichten.
  • Eine allgemeine Akzeptanz für Lokalnamen gilt gemäss neuer Geoinformationsgesetz.
    • Diese Forderung besteht vor allem für neue Namen oder bei Bereinigung von Unstimmigkeiten bei bestehenden Namen.
    • Generell gilt, dass geografische Namen nur bei einem öffentlichen Interesse geändert werden sollen. Dieses öffentliche Interesse gilt kaum für bereits vor langer Zeit etablierten und einheitlich geschriebnen Namen, welche nicht auf allgemeine Akzeptanz stossen. Änderungen sind sehr aufwendig und können in der Überganszeit zu einem Chaos führen und im Zusammenhang mit anderen Namen als Kettenreaktion zu weit gravierenden Probleme als das zu lösende Probleme.
    • Das öffentliche Interesse für Änderungen kann allenfalls für erst seit kurzem geänderten Namen geltend gemacht werden, welche keine allgemeine Akzeptanz aufweisen und noch nicht etabliert sind.
  • Details zu den neuen rechtlichen Grundlagen vgl. hier.


Weitere Analysen

Stummes -n in geografischen Namen

Stummes -n.jpg

Beispiele von Lokalnamen mit stummen -n


Zwitterformen

Zwitterformen sind Namen, in welchen Mundart und Standardsprache gemischt werden (hybride Namen).


Schreibweise von Wis, Wise, Wisen, Wies, Wiese, Wiesen in geografischen Namen

In den Swissnames sind geografische Namen, welche den Namen «Wiese» als Endung enthalten, wie folgt verteilt:

...wis (mundartlich) Anzahl ...wies (standardsprachlich) Anzahl
...wis ( Weisungen 1948 resp. Weisungen 2011 ) 465 ...wies 8
...wise (lautnah) 85 ...wiese 1
...wisen ( Weisungen 1948 resp. Weisungen 2011 ) 195 ...wiesen 18


Beispiele:

Bachwis Vogtwies
Bruggwise Wiese
Acherwisen Bettwiesen


Allgemeine Akzeptanz von Lokalnamen in touristischen Karten

Flumserberg.jpgFlumserberg2.jpg


Siehe auch


Weblinks


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